BURN-OUT-SYNDROM

Mißverhältnis von Energie und Erfolg

„Ausgebrannt“ – das berichten immer mehr Menschen über sich. Ihr Arbeitsplatz sei so strapaziös, daß sie nun nach vielen Jahren wie ausgebrannt, wie beständig erschöpft, kaum belastbar, freudlos und voller düsterer Gedanken sind. Was ihnen fehlt, ist die psychische Anspannungskraft, die aus positiven Erwartungen genährt, Hoffnung auf Freude und Erfolg gäbe.

Einig sind sich die Fachleute darin, dass – in grober Verallgemeinerung – ein Burnoutzustand deshalb eingetreten ist, weil zu viel Energie für zu wenig Erfolg verbraucht wurde, wobei – und das ist besonders wichtig – sich das Energiereservoir nicht regeneriert! D. h. es gelingt dem Einzelnen nicht mehr, „seinen Tank neu zu betanken“, die vorhandene Energie ist erschöpft und es scheint auch keine neue Energie nachzukommen. Der „Generator“, der Erzeuger neuer Energie scheint nicht zu funktionieren und ist selbst kaputt.

Begonnen hat dieses Mißverhältnis von Energie und Erfolg durch den Idealismus. Durch eine realitätsuntaugliche Überidentifizierung mit einer Idee oder gemeinsamen Sache entsteht die Bereitschaft, sich über Gebühr einzusetzen und sich selbst aufzugeben. Der Betroffene hat dies selbst bewusst nicht bemerkt, weil der Prozess viel zu schleichend ist und er von einer Aufopferung, die ihm jeweils sinnvoll erscheint, zur nächsten nahtlos weitergeht. Eine kritische und als „egoistisch“ abgelehnte Einstellung wird nicht mehr eingenommen und selbst die eigene Wahrnehmung eines Verlustes (von Lebenszeit, Privates) wird nicht mehr ernst genommen.

Die Rechnung über die Selbstaufopferung

Manche verkraften dies Selbstaufopferung, manche fühlen sich aber „latent“, d.h. im Grunde ihres ihnen unbewusst gebliebenen Herzens, betrogen und müssen die verdrängte Enttäuschung wieder durch mehr Engagement wettmachen. Doch diese Rechnung geht oft eben nicht positiv auf und endet – ohne daß der Betroffene das will – im Burnout.

Der Begriff „Burnout“ stammt ursprünglich übrigens aus der Szene der Motorradfahrer: Bei angezogener Bremse und langsam kommender Kupplung gibt der Motorrad so stark Gas, dass der Hinterreifen durchdreht und er mit dem überdrehenden Rad Kreise fährt. Nach einer Weile ist der Reifen „burnout“: Man dreht sprichwörtlich im Kreise und hat kein Profil mehr, fährt auf Felgen!

Krankheitsbild und Symptome

In der klinischen Psychologie wird in der Tat inzwischen von einem Krankheitsbild gesprochen, das als Gesamtphänomen das „BurnoutSyndrom“ genannt wird. Spezifische Symptome, d. h. typische Einzelphänomene dieses Gesamtbildes (Syndroms), sind schnelle Erschöpfbarkeit, tiefgreifende und/oder chronische Depressivität, Schlafstörungen jeder Art, Angstzustände, Entspannungsunfähigkeit und besonders auch unterschiedliche psychosomatische Symptome. Insbesondere diese psychosomatischen Symptome werden beim Burnout meist beklagt und verursachen bei Chronifizierung einen unheilvollen Fortgang. Warum?

Psychosomatische Symptome werden alle diejenigen körperlichen Störungen genannt, die in der Hauptsache eine psychische Ursache haben, sich aber gleichsam im Körperlichen ausdrücken: Wenn mir wegen des Vorgesetzten „immer die Galle hochkommt“, ist es kein Wunder, das ich eine von Galle und Magensäure überreizte Magenschleimhaut habe, mir relativ schnell übel wird, ich wenig Speisen noch gut verdaue etc.. Gerade beim Burnout zeigen sich die Folgen: über die Jahre können sich also schwere chronische psychosomatische Krankheiten entwickeln, wenn der eigentliche psychische Konflikt für den Betreffenden nicht gelöst ist.

Denn ungelöste psychische Konflikte lösen eine sog. „unspezifische Erregung“ aus, die in der Regel mit sehr viel Angst und Unruhe verbunden ist, die ihre „physiologischen Korrelate“ hat, d. h. ich empfinde nicht nur das Gefühl der Angst, sondern es werden auch bestimmte Stoffe produziert und in die Blutbahn gegeben, die auf die Dauer (z. B. einen Bluthochdruck) bedingen können.

Die Arbeitsplatzverhältnisse als Haupteinfluss

Ein solches Burnoutsyndrom wird in der Regel im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz gesehen. Natürlich gibt es auch burnoutähnliche Erlebenszustände, die aufgrund zermürbender Eheverhältnisse z. B. sich langsam heraus entwickeln. Da ist z. B. die Ehefrau, die seit Jahr und Tag macht und tut, damit der Ehemann das übermäßige Trinken aufhöre, aber nichts hat Erfolg. In der Regel sind solcherlei Leidenszustände insofern ein Stück anders gelagert, als die Ehefrau immer wieder neuen Mut fasst, als könnte sie es erreichen, dass der Ehemann aufhört zu trinken (in Wahrheit kann sie es natürlich nicht erreichen, denn es gibt nur einen Menschen, der diesen Ehemann verändern könnte -–und das ist er selbst).

Burnoutsyndrome werden deshalb im und durch den Arbeitsplatz verursacht, weil hier ein einzelner Mensch einer ganzen Institution/Organisation, d.h. einem „System“ ausgeliefert ist. Und der Einzelne ist immer schwächer als das System. Er ist in einer hierarchischen Ordnung eingegliedert, mit Vorgesetzten, die über ihn „Macht“ ausüben können, d. h. im Sinne von Max Weber (Soziologe des frühen 20. Jahrhunderts): anderen Menschen ihren Willen auch gegen deren Widerstände aufzwingen können. Der Einzelne ist weiterhin mit den „Sachzwängen“ der Materie unterworfen, also durch die Dinge, mit denen er sich beschäftigt. Insofern liegt hier erheblich weniger Handlungsspielraum vor, wenn ich durch Arbeitsplatzverhältnisse mich eingeengt und unterdrückt fühle etc..

Einordnung des Krankheitsbilds

Ohne jeden Zweifel ist heute anerkannt, dass diese Burnoutsyndrome nicht nur für den Betreffenden einen unerträglichen Leidenszustand bedeuten, sondern darüber hinaus auch große volkswirtschaftliche Schäden entstehen. Es kommt nicht nur zu oftmaligen, sondern auch zu langwierigen Krankschreibungen, in deren Zeit oft leider keine entscheidende Besserung eintritt. Oft laufen schwierige und kostspielige Gerichtsverfahren, an deren Ende eh nur ein Richterspruch steht, der auf juristischen Prinzipien aufbaut und das Problem selbst kaum löst und nicht wenig kommt es auch zur Frühberentung, die für die Betreffenden vielleicht kurzfristig eine kleine Erlösung bieten und nur der noch letztmögliche Schlussstrich unter einem unheilvollen Spiel sind.

Wenngleich Kliniker, d. h. praktisch tätige und wissenschaftlich ausgebildete Ärzte und Psychotherapeuten das Krankheitsbild des Burnout bestätigen, so befindet sich dieses Syndrom leider nach wie vor nicht im ICD. Das ICD ist die Liste der „offiziell anerkannten“ Krankheiten, für deren Therapie bekannte Leistungsträger wie Krankenkassen und Rentenversicherungsträger etc. Mittel zur Verfügung stellen müssen. Insofern müssen gerade auch heute noch klinisch tätige Fachleute Burnoutsyndrome mit Begriffen anderer krankheitswertiger Symptome benennen, ohne dass die Sache bei dem Namen genannt wird, die es trägt!

Auch hinsichtlich der Therapie sind sich Fachleute inzwischen einig, dass es leider nicht das Mittel der Wahl, nicht die Therapie, nicht das heilsame (Zauber-)Mittel gibt, das die Betreffenden von ihrem Leidenszustand befreit. Mit Sicherheit kann eine medikamentöse Therapie nur begrenzt helfen. Hier ist an psychisch wirksame Medikamente zu denken, insbesondere Antidepressiva, die übrigens nicht süchtig machen, die eine Zeitlang den Betreffenden körperlich stabilisieren helfen können, aber natürlich nicht helfen, einen Konflikt zu lösen. Aber niemand möchte ein Leben lang Antidepressiva schlucken und einen Konflikt fortbestehen lassen, wenn es denn eine andere Möglichkeit gäbe. – Deshalb ist es so wichtig, dass Betroffene sich informieren und andere Wege gehen. Nur welche?

Therapie eines Burn-Out

Wir wissen heute, daß ein sog. „multimodales“ Therapieprogramm jedoch Auswege zeigen kann. Multimodal bedeutet eine ganz besondere Auswahl an vielen und unterschiedlichen Einzelmaßnahmen, die auch nur alle insgesamt in der Summe wirken werden. (Psychoanalytische und tiefenpsychologisch ausgerichtete Therapieansätze versprechen laut empirischer Forschung sehr wenig und im Vergleich die ineffektivsten):

Multimodal nennt man also eine vielseitige Zusammensetzung von unterschiedlichen Methoden und Techniken zur Behebung bzw. Linderung von Symptomen. Zuvor müssen explorierende, d.h. breit untersuchende und dann scharf eingrenzende Methoden zur Erkenntnisgewinnung über Auftreten und Intensität der Symptome stattgefunden haben, damit neben auslösenden Reizen („Trigger“) und vorlaufenden Bedingungen auch etwas der (noch unbewusste) „Sinn“ von Symptomen deutlich wird.

In einem solchen multimodalen Therapieprogramm sind meistens als erster Schritt Entspannungsmethoden enthalten, weil damit erst einmal eine Besänftigung der körperlichen Reaktionsmuster (Atemmuster etc.) gelernt wird und sich damit die Kontrollierbarkeit der subjektiv doch so erschreckenden Körperreaktionen erhöht, die wie „autonom“, also verselbstständigt erlebt werden. Kann ich meine Körperreaktionen etwas bessern steuern, ist damit viel geholfen. Zum zweiten kommen Methoden und Techniken der Verhaltens- und Erlebensänderung zum Einsatz, die sehr unterschiedlich sind und auf sehr verschiedenen Theorien und Erfahrungen beruhen. Das können sowohl Rollenspiele als auch Malen als auch Desensibilisierungstechniken (ein Trigger wird mit seiner Auslösekraft schwächer) sein.

Natürlich können viele weitere Methoden zur Anwendung kommen, wenn die Effektivität nachgewiesen ist oder zum mindestens erprobt werden kann.

Weiterhin gehört eine sehr sorgfältige Analyse des Arbeitsplatzes z.B. mit der Fragestellung, ob nicht ein Arbeitswechsel zwar neue Probleme, aber insgesamt eben doch eine veränderte Lage bringt, oder auch die psychotherapeutische Aufarbeitung der eigener biographischer Erfahrungen – vielleicht auch begleitend in oder mit einer Gruppe. Da die jeweilige Konfliktlage der einzelnen sehr unterschiedlich sein kann, ist es nicht möglich, ein mit Erfolgsgarantie versehenes Standardprogramm vorzuschlagen.

Eines ist aber sicher: Wenn der Betroffene ernsthaft mitmacht, wird er bei einer solchen Therapie auch Erfolg haben!

Präventionsprogramme (z.B. in Seminarform, wie ich Sie auch anbiete, siehe unter www.guenther.thomas.de) richten sich nach diesem Erkenntnisstand und enthalten neben alltagspraktischen Inhalten des Zeit- und Streßmanagements insbesondere individuelle ausgerichtete Lehrinhalte zur besseren kognitiven Verarbeitung von Stressoren („problem solving“) sowie Schulungselemente zur praxisorientierten Umsetzung möglicher Handlungsalternativen („social skill training“).

Im Gruppenkontext vervielfachen sich in der Regel die Lernmöglichkeiten dann, wenn die positiven Kräfte der Gruppe („Kohäsion“) sich entfalten können.

 

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